Aktuelles Interview

 

Richtungswechsel – ein Thema, das in diesen Tagen wieder oft diskutiert wird. Im vergangenen Jahr wurden unsere holländischen- und belgischen Nachbarn für einige Wochen unweigerlich damit konfrontiert, sie wechselten in der laufenden Saison ihre Flugrouten.

Jos Vercammen aus Vremde berichtet in einem Interview über seine Erfahrungen. Die Fragen stellte Rolf Schlömer.

 

 

Wann kam es zu Problemen und wie viele Flüge fielen aus?

„Die Probleme begannen Ende Juni, nachdem in Frankreich die Vogelgrippe nachgewiesen wurde. Über einen Zeitraum von fast vier Wochen durften auf französischem Gebiet keine Tauben aufgelassen werden. Drei unser großen Nationalflüge wie Limoges (Alte), Limoges (Jährige) und Souillac wurden ersatzlos gestrichen.“

 

Warum hatte der belgische Verband die Reiseroute nach Deutschland gewählt?

„Es gab für uns keine Alternativen. Wenn Flugsaison ist, wollen die Züchter ihre Tauben spielen, darauf warten sie das ganze Jahr. Es hat sich dann gezeigt, dass die Flüge zum Nordosten besser verliefen als zum Südosten, sicherlich spielt das Gebirge auf der Südostroute eine ungünstige Rolle. Allgemein ist die Strecke in Richtung Hamburg, Kassel und Leipzig besser angenommen wurde, sicherlich weil die Tiere hier keine größeren Gebirge zu überfliegen haben. Zum Hindernis könnte nur der Kopfwind werden, da in der Saison sehr oft Südwestwind herrscht.“

 

Auf dem Wettflug ab Heidelberg glänzten Sie mit außerordentlichen Leistungen, wie sahen die Ergebnisse aus?

„Den ersten Flug, den wir nach dem Richtungswechsel spielten war Heidelberg (352 km). Der Flugverlauf war in Belgien allgemein sehr schlecht und es gingen einige Tiere verloren. Bei uns sah es aber anders aus. Von 49 eingesetzten Tieren waren um 18 Uhr alle Tauben zurück. Bei anderen Teilnehmern fehlten am Abend noch etwa 50 %. Auf Heidelberg gewannen wir den 1., 6., 17., 18., 19., 20., 24., 31., 36. und 41. Preis gegen 803 Tauben. Der zweite Flug war Leipzig (529 km), hier waren wir wegen der Distanz und des Richtungswechsel etwas vorsichtiger und korbten nur sieben Tiere ein.  Es zeigte sich aber später, dass die Angst unbegründet war. Unsere ersten drei Tauben erreichten den Schlag fast zeitgleich. Im konkurrenzstarken Club St. Job gewannen wir den 1., 2. und 3. Preis bei den Alten und den 1., 2., 3. und 4. Konkurs bei den Jährigen. Ein Jähriger, der den 3. Preis gewann, holte einen Monat später auf der Südwestroute den 2. national ab La Souterraine (593 km). Es gab noch einen dritten Flug ab Deutschland, nämlich ab Paderborn (279 km). Hier wurden von 11 Tauben 8 Preise gewonnen. Auch hier waren wir sehr vorne in der Preisliste platziert. Trotz der völlig anderen Reiseroute kamen die Tiere genau aus der Richtung, als sie den Schlag erreichten.“

 

Wie verliefen die Deutschland-Flüge bei anderen Züchtern?

„Für die meisten Züchter in Antwerpen, besonders im östlichen Teil von Antwerpen, waren die Flüge weniger gut. Ich glaube, dass viele Sportfreunde den Fehler machen und ihre Tauben viel zu häufig privat trainieren. Sie fahren mehrmals in der Woche mit ihren Tieren zu immer denselben Auflassplätzen auf einer bestimmten Route. Diese Tauben sind später so dressiert, dass sie fast jeden Hügel kennen und einfach nur mit Tempo geradeaus fliegen. Genau diese Tiere haben es später sehr schwer, sich um zu orientieren, wenn sie an einem Ort gestartet werden. Etwa 70 % der Taubenzüchter aus Ost-Antwerpen gehören zu dem Personenkreis, die mit ihrem PKW im Jahr mehr Kilometer zurücklegen, als ihre Tauben an Preiskilometern erfliegen können. Wenn man ferner berücksichtigt, dass wir oft Südwestwind haben und die Tiere mit der Masse in die Heimat fliegen, frage ich mich, ob da zum Teil das individuelle Orientierungsvermögen der einzelnen Taube nicht auf der Strecke bleibt. Anders sieht es aus, wenn die Tiere plötzlich an einem völlig fremden Ort aufgelassen werden. Viele Tiere wissen dann erst mal gar nicht wo es lang geht. Ich denke, dies erklärt die großen Verluste. Unsere niederländischen Kollegen veranstalten einmal im Jahr ihren München-Flug. Dieser Flug ist auch für die Teilnehmer sehr schwierig. Es dauert dort auch immer sehr lange, bis 33 % der aufgelassen Tauben ihren Schlag erreichen. Auch diese Tiere tun sich schwer mit dem Richtungswechsel, da sie weitgehend über Jahr nach Frankreich gereist werden.“

 

Warum hatten Ihre Tauben keine Probleme mit dem Richtungswechsel?

„Ich glaube, dass unsere Tauben keine Orientierungsschwierigkeiten haben. Eine besonders günstige geographische Lage haben wir in West-Antwerpen auch nicht. Wir haben eher eine ungünstige Lage je nach Windverhältnis und bei den großen gemeinsamen Auflässen. Da wir mehr am Rand des Einzugsgebietes liegen, müssen unsere Tauben mehr alleine fliegen, als die unserer Konkurrenten. Auch hat unser Taubentyp keine Probleme mit Kopfwindflügen. Im Laufe der Jahre haben wir einen härteren Taubenstamm geformt, der auf schwereren Wettbewerben eine gute Orientierung zeigt. Ein gutes Beispiel dafür waren die letzten beiden Flüge ab La Souterraine (593 km) und Gueret (590 km). Bei Flüge waren wegen des Gegenwindes recht schwierig und die Tiere flogen nur 1100 m/m. Hier hatten wir zwei gute Ergebnisse, u. a. gewannen wir einen 2. national und errangen 26/20 und 25/22 Preise.“

 

Wie sieht die aktuelle Situation in Belgien aus?

„Solange keine neuen Fälle der Vogelgrippe auftauchen, wird weiterhin nach Frankreich gespielt. Persönlich bedauere ich es, mir sind Flüge nach Deutschland lieber, da sie fairer wären im Hinblick auf Windverhältnisse und Masse. Bei 80 %  Kopfwind müssen sich die guten Tauben aus dem Schwarm absetzen und nur die härtesten und besten Tiere gewinnen.“

 

Kann es auf Dauer eine Flugroute nach Deutschland, vielleicht sogar auch auf internationaler Ebene?

„Ich würde mir sehr wünschen, dass es in Zukunft eine Alternative wäre, allerdings glaube ich nicht, dass der Wunsch in Erfüllung geht. Die Mehrzahl der unserer Liebhaber ist dagegen, viele würde dadurch ihre günstige geographische Lage verlieren, ferner würde der günstige Einfluss bezüglich der großen Auflässe verloren gehen.“

Erfolge 2007

1. Generalmeister mit Jährigen (250 – 450 km), Union Antwerpen-West

2. König der Union Antwerpen (Allround, 250 – 1100 km)

1. Generalmeister Semi-Weitstrecke (450 – 750 km), Club St. Job

1. jährige As-Taube, Mittelstrecke in der Union Antwerpen-West

2. Generalmeister, Mittelstrecke in der Union Antwerpen-West

2. Generalmeister, Semi-Weitstrecke (450 – 750 km), Union Antwerpen

2. Generalmeister Alttauben, Semi-Weitstrecke (450 – 750 km), Weitstreckenclub Antwerpen

4.  As-Taube, Semi-Weitstrecke in der Union Antwerpen

7. As-Taube, Mittelstrecke in der Union Antwerpen-West

Rolf Schlömer